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Natur pur an der Kinderakademie: Was hat die Eiche mit der Tinte zu tun?

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 - 6 staunen nicht schlecht über die bis zu zwei Zentimeter kleinen grünen oder rötlichen Gebilde, die ihnen im Biologie- bzw. Sachkundeunterricht gezeigt werden. Die Kinder, die erraten sollen, was dies wohl sein mag, beschauen, befühlen, beriechen diese "Miniäpfel".

Spätestens als ihnen eben diese auch festsitzend unter einem Eichenblatt präsentiert werden, kommt der eine oder die andere darauf, dass es etwas von einem Tier sein könnte.

Vorsichtig schneiden wir mit einem Messer so ein apfeliges Gebilde auf. Zu einer anderen Zeit hätten die Schüler eine dicke, fette Raupe entdecken können. Nun im Herbst ist schon in den meisten Galläpfeln das zierliche, fertige Insekt - die Gallwespe - zu entdecken, die nur noch darauf wartet im Winter auszuschlüpfen, um sich wieder fortzupflanzen.

Das finden alle Schüler interessant und hören gespannt zu, wenn davon berichtet wird, wie "böse" die Eiche eigentlich darüber ist, wenn die Eichengallwespen unter den Blättern der Eiche ihre Eier ablegen und das Insekt die Pflanze  anbohrt. Um sich zu wehren produziert die Eiche so viel Galle (Gerbstoffe oder auch Tannin genannt) und "finanziert" letztlich doch nur ein kleines "Kinderzimmer" für die Nachkommen der Gallwespe.

Auf dem Schulhof der Kinderakademie stehen auch Eichen. Von aufmerksamen Schülern wird in der Pause oder am Nachmittag dann die Lehrerin gerufen, um zu zeigen, dass auch an diesen Eichen Gallwespen zu Werke sind. Und nach und nach werden andere gallige Wucherungen unter Blättern verschiedener anderer Pflanzen entdeckt. Die Schüler lernen, dass diese eben von anderen Gallwespenarten oder anderen Insektenarten stammen können.

Aber ganz besonders fasziniert sind die Schüler dann, wenn so ein Gallapfel, nachdem das Insekt befreit wurde, mit einem rostigen Messer angeschnitten wird, und so ein blauer Fleck "gezaubert" wird. Denn mit dem Rost vom Eisenmesser und dem Saft aus dem Gallapfel haben wir Eisengallustinte entstehen lassen. In den Galläpfeln ist  besonders viel Gallsaft der Eiche enthalten. Und die Schüler können sich nun gut vorstellen, dass früher, bevor es "Tintenpatronen" gab, so die Tinte für die Tintenfässer  in der Schule aus Eichengalläpfeln hergestellt wurde. Außerdem nutzte man schon im Mittelalter diese besonders haltbare Tinte für Urkunden, Verträge und andere wichtige Dokumente.

Es ist so wichtig, dass Kinder auch noch heute lernen und sehen, wie Dinge aus der Natur in unseren Alltag eingeflossen sind.

 

Jeannette Orthey, Lehrerin für Biologie, Sachkunde und Naturwissenschaften an der Kinderakademie Eberswalde